Die Krimi-Blogger: Wie wird hier eigentlich bewertet?

…werden wir immer mal wieder gefragt. Insofern: Hier mal ein Einblick in den Redaktionsalltag, wie wir ihn (er)leben.

Vorneweg: Bewertungen sind subjektiv!

Jeder, der etwas anderes behauptet, lügt. Die gute Nachricht: Wir sind zumindest nicht durch Werbezuwendungen “gekauft”, wie man das von diversen Autozeitschriften kennt 😉

Die längste Zeit haben wir nach Schulnoten gewertet und haben dafür Drohschreiben von Verlagen bekommen (lachhaft) sowie sehr vernünftige Mails von Lesern und auch Autoren. Da schauen wir schon anders drauf. Denn tatsächlich: Eine Schulnote löst im Kopf etwas anderes aus als ein Punktesystem. Dem tragen wir mit einem neuen Bewertungssystem Rechnung und weisen unser Fazit künftig in Punkte aus.

Wie subjektiv ist das?

Die gute Nachricht ist: Eigentlich machen wir das schon ganz lange so. Bei uns ist jedes Buch von 4 Personen gelesen worden, bevor es hier beschrieben wird. So haben wir angefangen, so werden wir stets weiter verfahren. In all den Jahren gab es davon tatsächlich nur 2 Ausnahmen. Jeder konnte immer schon 25 gewichtete Punkte vergeben. 6 davon gehen an die Sprache, 7 an die Konstruktion von Geschichte und Figuren, 8 an die Spannung und die Unterhaltsamkeit des Buches. Weitere 4 Punkte sind der Sympathie gewidmet. Ein Handgeld sozusagen, mit der man auch mal den Charme einer Geschichte bewerten kann, eine idiotische Liebesszene oder das Lebenswerk. Auch wichtig. Macht bei 4 Lesern dann in Summe 100.

VIER Leser?

Ja – vier. Das sind nicht immer dieselben, aber oft. Alle Bewertungen werden zusammengetragen – und weit wichtiger: Diskutiert. Das kostet viel Zeit, macht aber auch Spaß – und vor allem führt es zu einem objektiveren Ergebnis. Die Erfahrung zeigt: Nach der Diskussion ist der Punktestand im Schnitt 6 Punkte höher. Merkt man, dass wir eine Affinität zu Zahlen haben? 😉

Wichtig dabei auch: Hier kann sich nie einer durchsetzen und eine Geschichte mit 100 bewerten oder mit 0. Und das ist für alle Beteiligten besser, wie wir schon ganz oft feststellen mussten. Im bislang extremsten Fall (Der Dunkle Garten von Tana French) lagen wir im vergangenen Jahr bei 17 Punkten auf der einen Seite und 4 auf der anderen. Aber zum Glück kommt das wirklich selten vor… Die größte Einigkeit hatten wir übrigens bei dem echten Ausnahme-Krimi von Bela B. Felsenheimer.  Und das ist wirklich in fast allen Dimensionen ein echter Ausnahmefall. Wohl leider einer, der keinen Nachfolger finden wird. Schade drum. Nicht viele trauen sich so etwas.

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