Martin Walker: Germany 2064 – im eigenen Fantasie-Sumpf erstickt?

Von Außen erkennt man das Buch GERMANY 2064 nicht wirklich als Krimi – und soviel sei vorweg gesagt: Von innen eigentlich auch nicht so recht. Einen Charakter vom Schlage des “Bruno, Chef de police”, mit dem Walker sich sonst gerne literarisch auseinandersetzt, sucht man hier verzweifelt.

Setting

Das Buch spielt, man ahnt es bereits, in der Zukunft und nennt sich “Zukunftsthriller,” was vielleicht mehr über das Buch aussagt als alles andere, denn die Zukunft kommt hier stets zuerst, dann der Thriller – und der thrillt leider dadurch dann nicht wirklich.

Im Grunde hätte Walker besser seine Vision der Zukunft auf Powerpoint gebannt und auf Slideshare geteilt, das wäre zumindest für die Leser dieses Thrillers unterhaltsamer geworden. So jedoch ergeht sich der Autor in schier unendlichen Darstellungen von Dingen des Alltags, respektive: Wie er glaubt, dass diese Dinge des Alltags in der Zukunft sein werden – Zahlungsmethoden, die selbstfahrenden Autos, all das, was sich heute im Grunde schon ablesen lässt. Und leider muss man hier sagen: Auch dabei ist er nicht so wirklich visionär – es wirkt vielmehr, als würde er die Gegenwart ein bisschen fortschreiben. Wenn Technologie 2064 erst so weit ist, wäre ich zumindest sehr enttäuscht – im Grunde ist das nicht vorstellbar. Hinzu kommt: Die Veränderung der Gesellschaft kann ebenso wenig so langsam verlaufen. Ein schlimmer weiterer Fehler ist die Konzentration auf die großen Konzerne in Walkers geistigem Modell, die die Kreativität der Fintechs und sonstigen Startups konsequent ausklammert.

Sprache und Spannung

2064-germanyPuuuhh… also nach Spannung musst Du hier schon suchen. Ganz ehrlich: Langeweile ist das determinierende Element des Buches. Die Beschreibung des neuen Alltags überwiegt hier – und das teilweise seitenlang, bis man sich wirklich fragt, warum Walker sich die Mühe gemacht hat, um seine Ideen herum einen Krimi verfassen zu wollen. Selbst versierte Science Fiction Leser, die das sogenannte “GetIn” in neue Welten gewohnt sind, müssen hier die Waffen strecken. Das ist schlicht unprofessionell – nicht nur für die Leser, die hier in GERMANY 2064 auf der Suche nach dem Thriller hinein stolpern – auch für solche, die lieber den Science Fiction Roman lesen möchten. Denn selbst diesen bleibt uns der Autor im eigentlichen Sinne schuldig.

Die Teilung in die beiden Bevölkerungslager, die Walker dabei vornimmt, ist schlicht zu krass, zu holzschnittartig, zu altbacken. Auch diese Trennung, die auf einem einzigen echten Merkmal beruht, ist so schlicht lächerlich und würde in einer fragmentierten Welt so nicht mehr vorkommen (können).

Fazit

Walker beschreibt eine Welt, in der wir so nicht leben wollen – auf die wir aber klar zusteuern. Dass diese Welt 2064 signifikant anders und weiter entwickelt sein wird, muss leider als klar gelten – dass sie nicht in zwei simple Lager zerfallen kann, macht das Lesen dann wirklich bitter, Spannung und interessanter Fall fehlen und sind zu allem Überfluss schlecht in die restlichen Rahmen der Handlung eingebettet – so, als hätte man sie hinterher in die Geschichte installiert. Und wir ahnen: Genau so ist es gewesen.

Literarisch schlimm, inhaltlich langweilig, Vollverfehlung für Krimi-Leser, Verfilmung für Zukunftssuchende, Schulnote: das seltene Ungenügend.



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