Tankrabatt? Wir brauchen einen Buchrabatt! Oder?

Deutschland heult, weil der Sprit teuer ist? Die Deutschen bekommen einen Tankrabatt. Der Kanzler erklärt, dass man das keinesfalls wiederholen kann – aber Deutschland weint und bekommt – noch rasch vor der Wahl – einen neuen Tankrabatt.

Was das angeht, sind wir Deutschen unschlagbar. Von einem Kartoffelrabatt wissen wir nichts. Und die Bezahlbarkeit des Deutschlandtickets spielt auch keine große Rolle. Aber was ist eigentlich mit Büchern?

Wir haben mal in unsere Historie geschaut. Seit 13 Jahren machen wir das jetzt und es ist nicht so, dass es da keine großen Excel-Dateien im Hintergrund gäbe.

Dabei fällt schon auf, dass die Bücher in den letzten Jahren teurer geworden sind. Wenn auch vermutlich nicht im gleichen Maße wie Benzin.

Oder?

Hm … Unser Genre sind Krimis und Thriller. Davon gibt es ja reichlich. Wer im BWL-Studium aufgepasst hat, könnte also meinen, dass ein Überangebot zu Preisverfall führt. Davon aber kann wirklich keine Rede sein. Die Preise für sind, basierend auf unserer Stichprobe, um immerhin 28% gestiegen. Das bedeutete: Neuerscheinungen in diesem Bereich kosten heute über ein Viertel mehr als vor 13 Jahren.

Ist das zu viel?

Nein. Man kann ja über alles meckern, aber die Krimi-Autoren, die in ihrem Dritthaus auf den Malediven über die Deutschen lachen, die jeden noch so absurden Preis für einen Krimi bezahlen, haben wir nicht kennengelernt. Und wir haben einige kennengelernt.

Viele, die wirklich gute Bücher schreiben, müssen in Deutschland immer noch vormittags an der Kasse arbeiten und nachts schreiben. Und da sind die vielen Unabhängigen, die etwa über Amazon veröffentlichen und auch bei guten Büchern froh sind, wenn „gerade genug“ reinkommt oder man von den KDP-Einnahmen sogar leben kann.

Interessant für die: Der Preis für Kindle Unlimited ist in der Zeit bei weitem nicht so gestiegen. Gerade einmal um 17,6%, was entschieden unter der Inflation in derselben Zeit liegt. Die Kosten fürs Leben in Deutschland sind in Summe in der Zeit nämlich um 37,4% gestiegen.

Alles gut also?

Das Einzige, was wirklich brutal angestiegen ist, sind die Preise für neue E-Books in der Zeit. Während ältere E-Books zum Teil wirklich günstig sind oder von Unabhängigen Autoren unnötigerweise für 99 Cent verramscht werden, ziehen die Verlage hier hart an. Neue Krimis für 20 Euro als E-Book hat es vor ein paar Jahren noch nicht gegeben. Heute kosten die oft so viel wie das gedruckte Buch oder kaum einen Schluck weniger. Und das ist kein Subjektiver Eindruck: Über 70% haben die Preise hier zugelegt. Den größten Teil davon in den letzten 3 Jahren.

Wir hoffen, dass die Autoren davon profitieren – aber wir ranten mal: Das wird nicht der Fall sein. Und einige Autoren bestätigen uns das. Und hier muss man obendrein eins sagen: Über gestiegene Kosten können die Verlage an der Stelle nicht klagen (was bei gedruckten Büchern sehr wohl der Fall ist).

Und das ist umso spannender, als gerade Buchverleger sich rund um die Buchmessen immer wieder damit zitieren lassen, dass der E-Book-Markt in Deutschland nicht so angezogen hat, wie man gehofft hatte.

Da kommt bei uns durchaus der Verdacht auf: Da könnte die Schuld auch bei den Verlagen liegen.

Wir lieben E-Books. Sie sind immer da, wenn man sie braucht. Das hat das Leseverhalten stark verändert. Aber man kann sie beispielsweise nicht mal eben auf dem Flohmarkt verkaufen. Schauen wir auf die Generation Z, bei der man ja froh sein muss, dass sie überhaupt lesen, so sieht man: Entweder E-Book oder Schmuckausgabe der Lieblingsbücher fürs Regal. Aber ein Taschenbuch? Muss nicht.

Wenn wir die zu Lesern erziehen wollen, dann sicher nicht mit 20+€. Und etwas sagt uns: Wir sollten die zu Lesern erziehen. Lesen bildet. Und das war nie so nötig wie zurzeit…