Georg Torres – Rotwein im Blut. Malle für alle? Hier nicht

Ein Mallorca-Krimi? Da sieht manch einer Trinkrogien vor sich, Schlagemusik, Sonnenbrand und Ballermann. Aber das ist wirklich alles andere als das Setting von „Rotwein im Blut“ von Georg Torres.

Setting & Story

„Rotwein im Blut“ fühlt sich eher ein wenig mehr nach Falcon Crest an. Es geht um die besseren Kreise von Mallorca. Und sie sind auf der anderen Seite der Insel angesiedelt, wo der „Ballermann“ so fern ist wie der Mars. Aber dieses Setting wird hier nicht übertrieben. Es dient nur als Rahmen einer Handlung, bei der es gleich zu Beginn zu einem wirklich höchst ungewöhnlichen Mord kommt.

Wer jetzt auf eine knallharte Ermittlung wartet, der wird auf den folgenden Seiten möglicherweise zunächst einmal enttäuscht sein. Denn Georg Torres lässt seine Figuren den Fall nun wirklich nicht nach „Schema F“ lösen. Er lässt den Leser vielmehr tief in die Figuren und die Rahmenhandlung eintauchen. Und das oft ganz ohne die Ermittler.

Nicht so sehr, dass man die Ermittler gleich vermisst. Aber wer hier Ansprüche wie an Deutsche Thriller mit schwarzweiß-cover und roter Spot-Colour hat, der wird enttäuscht.

Wie wir finden: Auf eine positive Weise. Denn, wenn man wirklich beginnt, die Inspektora zu vermissen, dann kommt sie auch.

Sprache und Spannung

Das Buch ist ungemein flüssig geschrieben, gut zu lesen und wird zu keinem Zeitpunkt langweilig, weil der Autor immer das Leben in den Figuren hervorbringt. Der Text ist allerdings im Aufbau teilweise etwas befremdlich – und das eigentlich ohne Not. Im vorderen Drittel kommen etwa immer wieder betont spanische Begriffe vor.

Einzelne Sätze werden gar in Spanisch gesprochen und zum Teil nicht einmal übersetzt. Ganz so, als wollte der Auto dem Leser entgegenrufen: „Hallo!! Wir sind hier in Spanien!!“ Das ist bisweilen sogar aufdringlich, wenn Begriffe wie „Vino Tinto“ verwendet werden und dann noch kursiv gesetzt sind.

Nach einer Weile allerdings endet das. Dann wird nichts mehr kursiv gedruckt und die eben noch so ungemein spanische Ermittlerin spricht ohne den Einschlag, den sie zu Beginn hat. Das ist zwar nicht dramatisch, befremdlich ist es dennoch.

Das Buch hat einige Szenen, die der Handlung im Grunde nichts hinzufügen und eher dem Lebensgefühl dienen. Das ist okay und das kann man mögen.

In Summe kommen dadurch im Mittelteil aber auch eine ziemlich Länge zustande, bis das Buch gegen Ende stark zulegt und noch einmal richtig beschleunigt.

Reicht das für ein spannendes Buch?

Ja, tut es. Es ist eben ein wenig anders spannend und wirft ein interessantes Schlaglicht auf mehr als nur die reine Rückgrat-Handlung des Krimis, was ein wenig ausgestorben ist.

Fazit

Uns ist Rowein im Blut 84 Punkte wert. Ein ungewöhnlicher Krimi jenseits des Maistreams, in dem viel Liebe steckt, das aber hier und dort auch Längen hat.