Nils Åke Svensson – Die Wälder der Toten. Literarische Auferstehung?

Wie wir schon einmal über Nils Åke Svensson geschrieben haben: „In der Rubrik „Bekannte Autoren, die niemand kennt“, nimmt Svensson eine einmalige Sonderstellung ein. „Fichtenschlachten“ gilt als Meisterwerk und diente als Inspiration für mindestens zwei Nordic Noir-Klassiker. Aber warum kennt den Mann niemand?“

Ab jetzt kann sich das ändern. Seit wenigen Tagen ist sein Werk „Die Wälder der Toten“ auf dem deutschen Markt.

Setting & Story

Das Buch, das jetzt rund 20 Jahre „juristisch verschollen“ war, wenn man es so ausdrücken will, ist von Seite 1 an sofort da, ist immer noch zeitgemäß in seinen Aussagen und spielt in der Region des Torne-Tals. Das Grenzland zwischen Schweden und Finnland, das in der Krimi-Literatur des Nordic Noir sonst kaum Beachtung findet.Nils Åke Svensson

Dabei ist es ein Stück weit vielleicht „Das wahre Schweden“. Oder wie es Nils Åke Svensson selbst formuliert hat: „Es ist kalt, ständig liegt Schnee und die Sonne scheint entweder 24 Stunden am Tag oder kommt nur kurz für eine Stippvisite vorbei. Es ist ein karges Land, das karge Leute beherbergt.

Ein solcher ist auch auf den ersten Blick der führende Charakter des Buches, Edvard Fagerlund, der keinem gängigen Klischee entspricht. Er angelt lieber, als sich in Ermittlungen zu stürzen, ist aber hellwach und anwesend, sobald er sich mit dem Fall angefreundet hat.

Er ist ein „Tornedaler“ rundum und auf der Grenze geboren, im wörtlichen Sinne. Und das bemüht keine Klischees. Es ist Teil der Handlung, so wie auch das Land und das Wetter hier keine Nebendarsteller sind.

Sprache und Spannung

Die Handlung des Falles ist komplex und führt die Leser sowohl in die Vergangenheit, als auch ein wenig in die Vergangenheit der handelnden Personen. Darüber hinaus ist auch diese geografische Spreizung beachtlich – und das ist nicht, wie oft in neueren Veröffentlichungen ein „Reisebericht“, sondern ein tiefer Blick in Land und Leute und ihre Beweggründe.

Und das ist spannend bis zur letzten Seite, abwechslungsreich erzählt und wird von lebensnahen Figuren getragen. Es verwundert nicht, dass gerade die lappländischen Autoren und Autorinnen wie Magnus Lassgard und Liva Dalin Nils Åke Svensson als Vorbild nennen.

Interessant ist: Man merkt der Geschichte ihr Alter kein bisschen an, was vielleicht auch an der liebevollen Überarbeitung liegt. Die Erzählung hat einen guten Rhythmus. Nils Åke Svensson hat sie zunächst als Fortsetzung in einer Zeitung veröffentlicht, was das sicherlich in Teilen geprägt hat.

Die Figuren wachsen einem erstaunlich schnell ans Herz, was vielleicht auch an ihren ausgeprägten Hintergründen liegt, die sich glaubhaft und harmonisch mit Lappland und seinen Gegebenheiten verbinden.

Fazit

Für uns ein Buch mit satten 98 Punkten. Eines der konsistentesten Werke, die wir seit Langem gelesen haben. Spannend, unterhaltsam und ohne die Schwermütigkeit, die viele seiner Zeitgenossen zu einem eigenen Klischee erhoben haben.