Nils Åke Svensson – das verschollene Vorbild einer Autoren-Generation
In der Rubrik „Bekannte Autoren, die niemand kennt“, nimmt Svensson eine einmalige Sonderstellung ein. „Fichtenschlachten“ gilt als Meisterwerk und diente als Inspiration für mindestens zwei Nordic Noir-Klassiker. Aber warum kennt den Mann niemand?
Porträt: Nils Åke Svensson – Der Wallander des Nordens
Nils Åke Svensson, geboren 1974, gilt als Ausnahmeerscheinung im Nordic-Noir-Genre. Mehrfach als „Der Mankell des Nordens“ gefeiert, sind seine Werke bislang nicht auf dem deutschen Markt verfügbar – scheinbar aufgrund rechtlicher Hürden. Im Gegensatz zu vielen Kollegen gab er seinen Journalistenjob nicht auf, sondern veröffentlichte seine Krimis als unregelmäßige Fortsetzungsromane in einer Tageszeitung, die eine ungewöhnliche Dekalogie bilden, deren Teile neun und zehn bis heute auf seiner Festplatte schlummern.
Ermittler und Setting

Sein Hauptfigur Edvard Fagerlund ist ein unkonventioneller Ermittler: zurückgezogen, oft angelnd und in einer bequemen Nische eingerichtet, fernab von ehrgeizigen Kollegen. Die Geschichten spielen im Grenzland Tornedalen, wo Schweden und Finnland aufeinandertreffen – mit eigenem Dialekt und Konflikten um das Schengen-Abkommen.
Seine dort angesiedelten Kriminalromane beginnen im Jahr 2001, kurz nach der Grenzöffnung. Der erste – (Skogen Segrar / Die Wälder der Toten) – erschien ab Juli 2003 in 49 Zeitungsausgaben bis in den Sommer des Jahres 2004. Kyrkogård, das zweite Buch, erschien gleich im Anschluss, bevor Nils Åke Svensson seinen Arbeitgeber wechselte und damit einen Großteil seiner Rechte an den ersten beiden Titeln verlor.
Dieses einsame Setting abseits von Metropolen wie Stockholm oder Oslo schafft einzigartige Spannung. Fagerlunds Fälle spielen in einem Schweden, das die Wallander-Leser nicht kennen. Echte Einsamkeit, lange Winter, kaum nennenswerte Orte. Wer in der Einsamkeit stirbt,kann auch einmal wochenlang unentdeckt bleiben.
Stil und Einfluss
Svensson meistert präzise Charakterzeichnungen mit wenigen Worten und verleiht Figuren seltene Glaubwürdigkeit. Trotz des Formats – kurze Kapitel, Bezahlung pro Zeile – war er trotz hoher Verbreitung seiner Werke unzweifelhaft unterbezahlt.
Viele Autoren wie Lassgard, Kjell-Arne Rasmussen und Liva Dalin nennen ihn als wichtige Inspiration. Magnus Lassgard hat sogar gesagt: „Ohne ihn hätte ich mich nie getraut, meine Bücher zu schreiben. Ein Jahr vor meinem ersten Buch habe ich ihn getroffen und einen langen Tag in Kiruna und rund um den Ort verbracht. Anschließend war mir klar: Ich werde veröffentlichen. Und er hat mir dazu ein großes Geschenk gemacht: Stinarsund.“
Der fiktive Ort Stinarsund
Stinarsund, ein „Easter Egg“ im südlichen Lappland, basiert auf Anleihen an E4-Küstenorte wie Umeå, Piteå, Luleå und Skellefteå. Er debütiert in Svenssons „Fichtenschlachten“ noch als „Stinarslund“. Liva Dalin lieh ihn sich für „Tödliche Sommer“ bei Svensson aus. Bei Lassgard gibt es nicht nur den Ort. Es gibt sogar ein Restaurant, das der Familie Nykvist gehörte – und die ist die Hauptfigur in Liva Dalins Krimis.
Man hofft, dass dieser skandinavische Schatz bald ins Deutsche übersetzt und in Buchform erscheint, um seine Verdienste um das Genre zu würdigen. Nils Åke Svensson lebt heute zurückgezogen im Torne-Tal mit seiner Frau, zwei jungen „Beutekindern“, wie er sie nennt, sowie einem übergroßen Labrador Retriever, dessen Namen er nicht verrät.