Ulrike Busch: Der Herzmuschelmörder – Einfach mal ein guter Krimi ohne Schnörkel und Allüren

Ulrike Busch ist eine von den ganze fleißigen Krimi-Autorinnen des Landes. Wir müssen sagen: Zum Glück. Mit Molly Bleck fügt sie ihren Serien, die allesamt im Norden Deutschlands spielen, eine weitere hinzu. Und eine, die es sich zu lesen lohnt.

Das Setting

Eigentlich haben wir das Ganze ein wenig satt: Jemand wird getötet und der Mörder (in dem Falle ein Serienmörder…? Wer kann das sicher sagen?) hinterlässt eine “Handschrift”. Die wird dann seit dem Schweigen der Lämmer oft über 500 Seiten analysiert, seziert und haarsträubenden psychologischen Hintergründen zugeschrieben…. Bla bla bla… Haben wir alle schon oft genug gelesen und gesehen.

Hier hat das mal ganz entschieden mehr Klasse. Der Fall ist komplexer, als man erwartet, die Wendungen intelligent und unterhaltsam. Und bis auf zwei Nebenfiguren sind hier alle Beteiligten so gezeichnet, dass man, obwohl das ganze eher cosy angelegt ist, tatsächlich genügend Ecken und Kanten findet, um mitzufiebern. Die persönliche Verwicklung der Ermittlerin ist beileibe nicht aufgesetzt – auch hier weicht die Autorin auf angenehme Weise von zahlreichen Klischees ab, die das Leseerlebnis mit Langeweile schmücken.

Das Ganze findet im Norden statt – und es gibt Fischbrötchen… Aber es gibt auch ein glaubhaftes Bild des Lebens, das dort stattfindet. Hier ist der Norden keine Staffage.

Sprache und Spannung

Im Besten Wortsinne: Dieser Krimi ist leicht zu lesen. Hier erwarten den Leser vielleicht keine literearischen Highscores – aber dafür bekommt man hier einen handfest guten, grundsoliden Krimi geboten. Mit Handlung, Figuren, Wendungen – nichts Verkünsteltes.

Unverzeihlich: Zu Beginn die Auflistung des Stammpersonals, die man eher in Groschenheften vermuten würde. Wozu das dienen soll, bleibt rätselhaft, gehört aber zu den Stilmitteln, die man auch schon aus anderen Werken der Autorin kennt. Eigenartig hier: Die Beschreibungen sind nur halb treffend…

Das bleibt aber auch der einzige größere Ausfall. Die Geschichte ist handwerklich gut komponiert, bleibt fast durchgängig spannend über die gesamte Strecke. Schwach: Der zweite Mann im Team ist ein echter Stichwortgeber (und Chauffeur), der kein Eigenleben entwickelt. Auch das merkt man bereits vorne in seiner Beschreibung. Hoffnung: Das wächst sich im nächsten Buch noch aus. In diesem muss man leider sagen, ist er im Grunde fast (Watson-)Ballast ohne Mehrwert, ohne Charakter. Manche nachrangigen Nebenfiguren sind mit mehr Herz gezeichnet als Malte Graf.
Würde man ihn aus dem Buch herausschneiden – es entstünde keinerlei Verlust…

Fazit

Bis auf die beschriebenen Quirks: Das hier ist ein handwerklich solider Krimi mit Hand und Fuß. Der macht wirklich Spaß – und würde mit einem echten Team und Menschen, die auch neben Molly Bleck im Team ein glaubhaftes Eigenleben entwickeln, noch viel mehr Spaß machen. GUT+

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