Rieke Husmann: Inselruhe – Sauberer Startpunkt, aber holprig im Detail

Rieke Husmann stellt uns ihre Ermittlerin von Beginn an mit einigem privaten Hintergrund vor. Die Frau zieht in die alte Heimat zurück und man ahnt sehr schnell: Da hängt noch mehr Geschichte dran. Man ahnt leider auch: Irgendwas ist hier schräg, wenn eine Person in einer Limousine ankommt und in einem Geländewagen wieder wegfährt. Leider nämlich sind hier ein paar Ungenauigkeiten im Buch vorhanden, die sich immer wieder als Stolpersteine zeigen.

Das Setting

Ein Lange zurück liegender Mord auf einer vorgelagerten Nordsee-Insel mit kaum 1000 Einwohnern ist natürlich der Stoff, aus dem die Friesland-Krimis sind. Und das Setting bekommt die Autorin ausgezeichnet hin. Die geographische Weite, die mentale Enge – hier ist alles vorhanden – und wird auch genutzt, um dem Krimi seinen eigenen Touch zu geben.

Das kommt nicht an eine Eva Almstädt heran oder andere Nord-Autoren, aber das Holz, aus dem hier geschnitzt wird, das taugt etwas. Über große Teile ist das spannend – auch wenn es hier jetzt keine riesigen Plot-Twists gibt. Dafür gibt es auch keine sinnlosen Schweigen-der-Lämmer-Brutalitäten oder ähnlichen Mumpitz. Handwerklich solide, gut gestrickt.

Dennoch sind es die kleinen Dinge, über die man stolpert – hier und da ist etwas unsauber recherchiert – und am Ende gibt es ein Verhalten, dass so nicht stimmig ist und einen großen Teil des Falles zerstört.

Sprache und Spannung

Das Buch ist flüssig geschrieben und im Grunde leicht lesbar – wären da nur nicht immer wieder diese kleinen sprachlichen Stolpersteine. Da gibt es ein paar kleinere Tippfehler, was nicht so nervt wie Formulierungen wie “Im Gegenteil zu ihm…,” die sprachlich schlicht falsch sind. Da stolpert man drüber, immer wieder.

Obwohl man nicht weiss, wer am Ende der Mörder ist, wissen die Leser schon recht schnell, wie die Auflösung sein wird. Ohne zu spoilern: Das ist bisserl zu viel Klischee in den Details und sehr absehbar. Eigenartig holprig: Alles, was man hier über Polizeiarbeit liest, fühlt sich an, als sei es später hineingeschrieben worden. Ganz so, als habe es eine Lesung durch einen Wissenden gegeben, der gesagt hat “Oh – da hat jemand vergessen, ihm seine recht vorzulesen.” Das jedoch ist eine subjektive Empfindung – objektiv anstrengend ist, das die Autorin oft Fragesätze mit Punkten beendet.

Ebenso wie die Tatsache, dass sie nicht immer ganz sauber mit dem Leser umgeht. Jemand verlässt einen Raum, man erfährt nicht, dass er wieder hereingekommen ist, dennoch ist er plötzlich da und stellt eine Frage. Muss das sein?

Fazit

In Teilen gut – sympathische Hauptrolle, deren Reaktionen jedoch nicht immer glaubhaft und nachvollziehbar sind. Flüssige Dialoge gleichen hier vieles aus. In Summe ist uns das 64 Punkte wert.

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