Martin Sylvester: Brotzeit Battle – Auftakt bajuwarischer Klassik?

Einige erinnern sich noch an Martin Sylvester – oder weit stärker vermutlich an die beiden bajuwarischen Ermittler Oberhuber und Hinterwinkler.

In einem Interview zu der damaligen Radioshow hat uns Martin Sylvester mal verraten: “Die Namen Oberhuber und Hinterwinkler habe ich tatsächlich gestohlen. Ich habe eine Veranstaltung in Rosenheim moderiert. Und dort waren zwei Personen, die wirklich so hießen. An der Bar habe ich abends zu meinem Kollegen gesagt – ‘ Wenn ich mal einen Krimi schreibe, dann heißen so die beiden Ermittler.’ – und das habe ich dann wahr gemacht.”

Auch sonst hat Martin Sylvester mit den beiden etwas auf die Beine gestellt wie Glaubhaftigkeit. Oberhuber und Hinterwinkler stehen mitten im Leben – und das glaubt man als Leser sofort.

Das Setting

Die beiden Männer mit den kantigen Namen ermitteln in Bad Grassach, dessen genaue Lage man erahnen muss – irgendwo zwischen Rosenheim und Garmisch wird es wohl liegen. Aber hier speilt das auch keine Rolle, denn Bad Grassach ist so etwas wie das Template einer bajuwarischen Kleinstadt mit Metzger, Bäcker und zwei Brauereien. Aber auch eine Senf-Fabrik für Feinschmecker. Und Feinschmecker sind sowohl Oberhuber als auch der Kollege und Schwager Hinterwinkler.

So spielt auch Essen bei der Lösung des Falles in Brotzeit Battle eine wichtige Rolle – aber, der Name lässt es ahnen, eben bayerisches Essen, dem die beiden hinterher zu schmecken imstande sind.

Ein Fall ohne Blutvergießen, die liebevolle Zeichnung und auch Überzeichnung der Gesellschaft – all das ist solide Kost. Jedoch: Hier biegt es sich – aber es bricht nicht. Keine Schenkelklopfer-Possen, wie man sie in manchen Bajuwarischen Krimis findet, sondern eine Leichtigkeit, die an die frühen Bücher von Jörg Maurer, die ersten Kluftiger-Bände oder auch Andreas Föhr erinnern.

Sprache und Spannung

Leicht zu lesen, leicht zu folgen – aber immer mit einem kleinen Stoß versehen, der Lust auf Mehr macht. Die Spannung ist hier nicht Thriller – sie ist mehr Zuschauen und miträtseln und dabei einem klassischen Sittengemälde zusehen. Man spürt, dass das Setting größer angelegt ist. Die Radioshow hat es auf 32 Folgen gebracht, bevor Martin Sylvester sich unter einem Pseudonym brutalerem Mordgeschehen zugewandt hat, dem er hier bewusst den Rücken kehrt.

Fast leichenfrei ist das Buch – aber eben nur fast.

Fazit

Beeindruckende Leichtigkeit mit Witz und Spannung. Der eigentliche Glanz liegt im Setting von Bad Grassach, in dem jeder in den 80er Jahren mal mit seinen Eltern im Urlaub war. Für uns sind das 91 Punkte.

 

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