Harry Luck: Bamberger Seidla – Angestrengter Genre-Mix

Harry Luck hat in den vergangenen fast 20 Jahren diverse Bücher geschrieben. Angefangen von seinem Isarbullen, der durchaus Aufmerksamkeit erregte, über diverse Krimis bis hin zu unterhaltsamen Sachbüchern.

Der Mann weiß also eigentlich, was er tut. Aber so viel vorweg: bei Bamberger Seidla merkt man das nicht unbedingt.

Das Setting

Seit der Autor in Bamberg wohnt, spielen dort auch seine Bücher. Und das im besten regionalen Sinne. Hier ist die Region nicht bloß Staffage und Stichwortgeber. Im Gegenteil: Harry Luck meidet lächerliches Einflechten falsch verstandenen Dialektes. Bamberg ist Kulisse, Bamberg ist Setting, Bamberg ist Bedingung für die Geschichte, die sich rasch entwickelt. Der Krimi ist in der Schlagerszene angesiedelt – und trifft damit auf den idealen Ermittler.

Der selbst steckt nämlich auch in viele Traditionen der 70er und 80er Jahre fest, liebt sein Handy, an das sich heute kein Mensch mehr erinnern kann, ebenso, wie er an seinem Eierlikör hängt und eben Schlagersendungen oder alte Derrick-Folgen.

Es entwickelt sich rasch ein Fall mit der einen oder anderen Wendung rund um die Bamberger Brose Arena und Kommissar Horst Müller sorgt für teilweise situativen Humor und am Ende für eine Auflösung, die nicht auf der Hand liegt und durchaus ein wenig überraschend ist.

Aber auf dem Weg dahin hat es der Leser hin und wieder schwer. Muss der Schlagemoderator, der klar Florian Silbereisen entlehnt ist, wirklich Fabian Goldstein heißen? Damit es auch wirklich jeder begreift?

Sprache und Spannung

Harry Luck hat neben seinen Krimis auch Bücher verfasst wie “Das Lexikon der uncoolen Dinge: Wie spießig ist das denn? Von Eierlikör bis Gartenzwerg” – und das merkt man. Die Hauptfigur ist in diesen Themen gefangen. Und leider ist sie es in einer Art und Weise, die den Leser recht schnell anstrengen kann, weil es überzogen wirkt und dadurch die Glaubhaftigkeit zerstört.

Die Sprache schwankt, wie auch die gesamte Erzählung, zwischen komödiantisch und ernst – aber nicht so, dass es amüsant wäre. Sprachlich ist Harry Luck hier dozierend und oberlehrerhaft, lässt seine Figuren oft besserwisserisch klingen. Der verzweifelte Versuch, speziell den Hauptdarsteller als Ich-Erzähler originell und ungewöhnlich wirken zu lassen, scheitert dabei kläglich, weil er ins Unglaubwürdige driftet – und zwar meilenweit. Klischeeüberladene Selbstreflexionen, gepaart mit Geschichten wie der Ex-Frau nach der Scheidung wieder das “Sie” anzubieten, treiben das Ganze zu weit. Darüber verliert sich die Geschichte und die Qualitäten des Krimis werden leicht unter der aufgesetzten Zwangs-Ungewöhnlichkeit begraben – ohne Not.
Das war selbst beim Erstlingswerk um Längen besser.

 

Fazit

In “Bamberger Seidla” geht es nicht bierselig zu, wie der Titel vermuten lässt. Mokka-Eierlikör und anstrengend sperrangelige Sprache zur Darstellung nicht glaubwürdiger Figuren überlagern den Krimi massiv. Das muss man mögen, darauf muss man sich einlassen wollen. Unser Fazit daher: Klassenziel erreich, 46 Punkte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.