Barbara Wendelken: Das Dorf der Lügen – Verschachtelt, boshaft, unerwartet!

Barbara Wendelken dürfte eine dieser wirklich heftig unterschätzten Krimi-Autorinnen dieses Landes sein. Obwohl ihre Anfänge in unseren Augen nicht ganz glatt waren, finden wir ihre folgenden Werke allesamt kraftvoll, spannend, durchdacht. Und vor allem: Die Frau hat ein Talent für glaubhafte Figuren, das man viel zu selten findet. Das Dorf der Lügen bildet da keine Ausnahme.

Das Setting

Eine Kommissarin erschießt einen Teenager versehentlich und aus schlechten Gründen. Also inszeniert sie das Geschehen ein wenig “bedarfsgerechter” und tritt damit eine Kette von Ereignissen los, in die ein ganzes Dorf so ungünstig verstrickt ist – und das wird mit jedem Tag schlimmer. Ein Ort, in dem jeder eine kleine Schuld auf sich geladen hat. Und das ist unglaublich geschickt konstruiert.

Hier ist nichts einfach ländlich banal – hier geht es um die großen Dinge des Lebens, versteckt in der Enge des Deutschen Kaffs. Großartig komponiert.

Sprache und Spannung

Barbara Wendelken setzt nicht auf eine Wendung oder knallige Überraschungsmomente – sie setzt auf die Enttäuschung des Lebens. Liebgewonnene Figuren haben ein zweites Gesicht, was man aus der einen Perspektive wohlwollend betrachtet, sieht von einem anderen Standpunkt schuldig aus.

All das ist mit dem hier flüssigen Stil geschrieben, der auch die Folge-Werke trägt und sehr dicht ist und der verwobenen Story entgegenkommt. Am Ende legt man einen Krimi zur Seite, mit dem man wirklich gar nicht gerechnet hatte, als man ihn aufschlug. Eine wirkliche Offenbarung dieses Genres, auch wenn das Cover es eher in das seichte Norddeutschland-Genre zu schieben scheint.

Fazit

Alles in Allem: Das ist ein richtig richtig gutes Buch. Und kein Einzelfall. In der Serie befinden sich noch weitere Knüller – und auch neben der Serie weiß Barbara Wendelken wie komplexe Spannung geht. Schulnote: Sehr gut.

 

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