Kjell Arne Rasmussen: Gluthirn – Unerwartet?
Kjell Arne Rasmussen sagt hierzulande nur wenigen Leuten etwas, obwohl „Faust!Tritt“ in einigen Ländern durchaus für Furore gesorgt hat. Erschienen ist in Deutschland jetzt erstmals „Gluthirn“
Setting & Story
Fulminant und doch seltsam reflektiert, wie man es bereits von anderen Norwegern kennt. Und frei von Klischees. Ein ehemaliger Zielfahnder, der seinen Job verloren hat, wird sanft dazu gezwungen, einen Fall zu behandeln, der eigentlich noch keiner ist. Er soll mit einer Kriminalpsychologin arbeiten, was nicht seinen Gewohnheiten entspricht. Aber schon hier meidet der Autor Klischees: Die beiden gehen sich nicht etwas auf die Nerven und lehnen die Zusammenarbeit ab – sie versuchen vielmehr zu begreifen, was man aus einer solchen Zusammenarbeit herausholen kann.
Sie belauern sich hier und da. Immer wieder bildet sich der eine ein, den Job des anderen auch „ein bisschen“ zu können. Aber das ist lebensnah, zeigt zwei Profis bei der Arbeit.
Profis, die keine Teenager mehr sind und durchaus ihre Dämonen haben – aber auch die begleiten die Handlung, ohne sie zu überlagern oder zu viel Platz einzunehmen. Sie bilden einen Rahmen, wie im echten Leben.
Und auch der Antagonist ist nicht der Böse, den man befürchten könnte. Man erhält einen Einblick, der immer tiefer geht, der die Leser eine Wendeltreppe nach unten führt, ohne „Das Schweigen der Lämmer“ daraus zu machen. Magnus Østby wird so zu einer der interessantesten Figuren, die wir seit langem in einem skandinavischen Krimi gesehen haben.
Sprache und Spannung
Die Spannung im Buch ist brillant komponiert und baut sich zunehmend auf, um immer wieder einmal eine Lösung anzubieten – die jedoch in die Irre führt. Und das sind keine lächerlichen Plot-Twists, sondern hier entblättert sich etwas. Wie man dem Täter näher kommt, kommt man den Opfern näher und gehrt dabei auch auf Tuchfühlung mit den Hauptfiguren, die durch ungewöhnliche Nebenfiguren eher aufgewertet werden.
In Summe ist hier alles rund, gelungen und gut lesbar – und man merkt, dass es sich hier um alles andere als ein Erstlingswerk handelt. Ebenso wie man merkt, dass es sich hier um einen Autoren mit dem notwendigen Background handelt.
Fazit
„Gluthirn“ ist ein fesselnder norwegischer Thriller, der den Leser in die Abgründe menschlichen Verhaltens führt und die Frage aufwirft: Was macht einen Menschen zum Monster? Ein nervenaufreibendes Rennen gegen die Uhr, das Sie bis zur letzten Seite nicht loslassen wird. Ein großartiger Auftakt zu einer neuen, fulminanten Serie. Uns ist das 94 Punkte wert.
