Bernd Richard Knospe: Augenblicke des Bösen – Insider-Tip?

Bernd Richard Knospe ist bereits vor ein paar Jahren mit „Blue Note Girl“ aufgefallen – einem Krimi, der sich nicht pauschal einer traditionellen Schublade zuordnen ließ.

Mit „Augenblicke des Bösen“ legt er jetzt den vierten Teil seiner ungewöhnlichen Serie vor.

Setting & Story

Eric Teubner ist kein klassischer Detektiv – er ist ein Schreiberling. Aber natürlich auch ein bisschen ein verkappter Privatdetektiv. Das kann man blöd finden, weil es in vielerlei Hinsicht keine klassischen „Ermittlungen“ ermöglicht. Wer das denkt, muss hier jedoch nicht aufhören zu lesen. Eric Teubner bohrt sich bedeutend tiefer in den „Fall“, der bis dahin eigentlich keiner ist, als es die meisten Ermittler tun würden.

Er erhält von einer Millionenerbin das finanziell reizvolle Angebot, ein Buch über das Lebenswerk ihres Großvaters zu verfassen. Ein alter Skandalregisseur, der in seiner Spitzenzeit für seine eher abstoßenden Filme bekannt war. Der Filmemacher ist ein anstrengender Typ, der Teubner aber auf seine sehr eigene Weise in den Strudel einer Zusammenarbeit hineinzieht. Obwohl Teubner weder darauf rechte Lust hat, noch auf die Begegnungen mit seiner Auftraggeberin, entwickelt sich vieles anders.

Und das ist nicht nur spannend, das ist auch wortgewaltig umgesetzt und zieht vor allem den Leser in einen Sog hinein.

Knospe ist dabei in der Lage, Figuren mit ein paar Strichen so zu zeichnen, dass man weiterlesen will und ihnen dann den Ballast einer großen Backstory Stück für Stück so aufzulasten, dass man ihn nicht als Ballast empfindet. Das findet man in der Qualität selten in diesem Genre.

Sprache und Spannung

Sprachlich überzeugend und auch noch einmal überzeugender als etwa bei „Blue note Girl“ entwickelt Knospe eine Geschichte, die eigentlich nur ein Problem hat: Sie besteht aus zwei Geschichten, von denen eine spannender ist als die andere.

Zu Beginn ist das nicht so schlimm. Im Verlauf des Buches wird das jedoch schwieriger. Die eine Geschichte entwickelt sich so sehr, dass man die Zweite an einigen Stellen am liebsten überblättern würde, was ein fataler Fehler wäre. Das Lesen erleichtert das nicht.

Hinzu kommen ein paar problematisch lange Infodumps im vorderen Teil und Selbstreflexionen, die in dieser Länge beide unnötig sind. Auch die Beschreibung der Filme verliert sich ein wenig – ist aber sicherlich notwendig.

Kompensiert wird das jedoch durch traumhafte Dialoge und äußerst lebendiger Figuren, die sicherlich die Stärke des Buches sind, das sich an vielen Stellen wie Film anfühlt.

Fazit

Ein Buch, das mehr Aufmerksamkeit verdient. Und eine Serie, die auch in Summe mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Problematisch in „Augenblicke des Bösen“ ist unzweifelhaft die Zweigleisigkeit, die nicht das Gleichgewicht erreicht, wie man es etwa von Palme / Sandstedt (Stina Borglund-Reihe) oder Val McDermid mit Karen Pirie kennt. Der spannendere Part ist ein Highscore, den der Zweite nur allzu leicht ausbremst. Dennoch: „Augenblicke des Bösen“ ist uns 88 Punkte wert.