Marina Heib: Die Stille vor dem Sturm – TV Thriller-Stil auf Autopilot

Wenn man DREI METER UNTER NULL oder EISBLUT geschrieben hat, dann muss man eigentlich nicht mehr viel beweisen, oder? Mit ihren neuen Thriller DIE STILLE VOR DEM STURM legt Marina Heib nach und setzt damit – so viel vorweg – nicht gerade einen würdigen Nachfolger in dieser Reihe.

Das Setting

Ein Haufen reicher Leute schippern einen teuren Kahn zum Geburtstag des Familienpatriarchen, der Besitzer der Werft ist. Das Setting schließt ein: Gutaussehende junge Kerle, gutaussehende junge Mädels, Traumlocations… Und eben das, was man jetzt schon ahnt: Klischees und ein ungemein schwieriges Setup: Ein enges Boot, auf dem die Handlung erwartbar von Dialogen getrieben sein muss.

Die Handlung, die folgt, liest sich wie eine Abschrift eines Drehbuches – und vermutlich würde die Geschichte auf dem TV-Schirm sogar funktionieren – im Buch ist sie eher anstrengend, ist berechenbar und erfüllt leider jedes noch so erwartbare Klischee. Da sind die reichen jungen Mädels, die sich scheinbar nur Gedanken über Designerklamotten machen oder darüber, aus welcher Richtung si beim Sex gut aussehen. Das ist anstrengend. Wenn später das Inselparadies erreicht wird, könnte man meinen, einen Reiseführer aus den 70er Jahren zu lesen – überladen, klischeeverseucht, schwer zu ertragen.

Bis dahin ist es aber für viele Leser vermutlich bereits zu spät.

Sprache und Spannung

Ein enges Boot, auf dem die Handlung erwartbar von Dialogen getrieben sein muss…. Und genau hier schwächelt das Buch leider. Die Dialoge sind schon auf den ersten 30 Seiten, die die Geschichte einleiten und (zum Glück) noch nicht auf der Yacht spielen, schwer zu ertragen. Alles, was man hier liest, klingt nach zwanghaft imitierten 15jährigen – jedoch sprechen hier Erwachsene Spätzwanziger, die Internats-Ausbildungen genossen haben und ähnliches. Das passt zusammen wie Faust auf Nase und ist schon ziemlich früh im Buch anstrengend – über 400 Seiten ist es wirklich schier unerträglich.

Da spielt dann die eigentliche Geschichte, die eine ziemliche Schlachterei darstellt, kaum noch eine Rolle.

Fazit

DIE STEILLE VOR DEM STURM ist als Nachfolger für DREI METER UNTER NULL wirklich unwürdig. Dialoge wie aus der Ladenstraße können einen Handlung ruinieren, die im Grunde das Zeug für mehr hätte. Die Figuren bleiben dadurch aufgesetzt und bis zum Schluss schwach und unglaubwürdig. Schulnote: Ausreichend

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