Kirsten Voosen-Reinhardt: Eine Königin zieht das Schwert – Ungewöhnlicher Fall vor ungewöhnlicher Kulisse

Eine Königin zieht das Schwert klingt aus der Ferne erst einmal nicht recht wie ein typischer Titel für einen Krimi. Und das ist passend, denn Kirsten Voosen-Reinhardt hat hier auch ein Buch verfasst, das ein so ganz typischer Krimi ist.

Das Setting

Geschickt verwebt die Autorin Handlungen in Vergangenheit und Gegenwart in eine Geschichte, die auf eine Explosion zusteuert, wie man sie in dieser Art tatsächlich nur selten in Krimis findet. Das hat wirklich Größe, denn hier kommt nicht ein großer Knall zu Beginn, hinter dem dann her ermittelt wird. Die Geschichte ist vielmehr auf mehreren Ebenen aufgebaut, auf denen sie sich jeweils mit großer sprachlicher Stärke und Kontinuität entwickelt und auf verschiedene Höhepunkte zusteuert.

In all das hinein webt die Autorin Schicksale von Vergewaltigung, der entbehrungsreichen Nachkriegszeit und der Haaner Kirmes, die der Autorin sehr am Herzen liegt. Eigentlich ist das wirklich gutes Erzählkino.

Sprache und Spannung

Was am Ende passieren muss, ist vollkommen klar – auch, dass es passieren wird – aber das macht erst einmal nichts. Kirsten Voosen-Reinhardt gelingt es, die Spannung grundlegend hoch und kontinuierlich zu halten. Dass dabei dann jedoch die Haaner Kirmes auch ohne Not über einen ungemein langen Zeitraum die wahre Hauptdarstellerin des Buches wird, ist jedoch anstrengend und etwas langatmig. Hier passiert einfach zu wenig Krimi. Da werden in dieser Phase Figuren schärfer gezeichnet, die eigentlich schon scharf gezeichnet sind. Und speziell bei der Charakterzeichnung hat die Autorin enorme Stärken.

Dann aber sind da diese schrägen Brüche: Hauptfiguren wie Hans Dampf (in allen Gassen) sind ebenso unverzeihlich wie Timo Beil (t-Mobile) – das nervt wirklich erheblich und ist in dem fein ziselierten Setting störend dick aufgetragen.

Wenig lesefreundlich ist leider die Unart, den historischen Part vollständig kursiv zu setzen. Kursive Schrift dient der Hervorhebung und ist über längere Strecken unangenehm und senkt diese Lesefreundlichkeit erheblich. Und das doch eigentlich ohne Not bei einer Autorin, die die Geschichte auch ohne solche unnötigen Kunstgriffe differenzieren könnte. Dass es dann in wörtlicher Rede am Ende Fußnoten mit Quellverweisen gibt, sprengt den Rahmen.

Fazit

Ein ungewöhnliches Lese-Erlebnis und uns am Ende eine Zwei mit dickem Plus wert. Die Geschichte wäre eine ohne Mühe eine 1, die unnötigen Brüche jedoch machen einiges so holprig, dass die Lesefreude an diesen Stellen immer wieder ohne Not bricht. Unser Score: 86

 

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