Daniela Arnold: Aschenjunge – Eine Leiche macht noch keinen Thriller

Es ist etwas schwer zu beschreiben, worum es in Summe tatsächlich in ASCHENJUNGE von Daniela Arnold geht – aber jeder, der Interiors von Woody Allen gesehen hat, kann sich vielleicht ein ganz gutes Bild machen, denn das ist tatsächlich das bestimmende Element des Buches, das als Sylt-Thriller verkauft wird: Innensichten. Und so viel sei gesagt: Es verdient die Bezeichnung Thriller nicht – schon allein durch die Innensichten

Das Setting

Die Geschichte spielt auf mehreren Ebenen, die ohne große Überraschungen ineinander verwebt sind aschenjunge Daniela Arnoldund die Zeit von 2013 bis heute abdecken. Da gibt es einen ganz frühen Mord, der eine Tat rächt, die noch weitere zurückliegt – und man ahnt, dass da noch mehr kommt…

Aber schon diese erste Szene bleibt einem ein wenig im Halse stecken, wenn da der hoch motorisierte BMW des reichen Bösewichts im Jahr 2013 ausbricht, dann sagt sich manch einer: 2013? Mit ESP? 1990 passierte so etwas noch – aber danach…? Nicht so richtig. Da muss man sich als Autorin wirklich mehr einfallen lassen.

Alles, was folgt, ist technisch gesehen ein sauberer Krimi, es gibt einen grausigen Mord, Ermittlerinnen, einen überzeichneten Pascha… Aber der Lesefluss…

Sprache und Spannung

…wird immer und immer wieder von ewigen Innensichten geprägt. Frustrierte Frauen teilen ihren Blick auf die frustrierte Welt, in der sie es nicht leicht gehabt haben und dann hat sie noch ein schweres Schicksal getroffen. Das schlägt sich dann auch bitter in der Wortwahl nieder, wo es nie einen Zwischenfall, ein Ereignis oder ähnliches gibt, sondern immer gleich eine “Tragödie” oder einen “grausigen Fund”. Das strengt schon nach 30 oder 40 Seiten reichlich an – und wird noch schlimmer.

Verstärkt wird das Ganze noch dadurch, dass alle weiblichen Hauptfiguren demselben Leid verschrieben zu sein scheinen. Die eine Missverstanden, die andere unverstanden, die dritte falsch verstanden. Beim Lesen fällt es teilweise schwer, auseinanderzuhalten, von welcher der deprimierten Frauen und welcher ihrer inneren Tragödien gerade die Rede ist – zu ähnlich sind die Frauen gezeichnet, zu eintönig.

Krimi-Freunde kommt da nicht auf. Thriller sollten Thrill enthalten – und der wird hier stets durch eine dicke, schwermütige Lehmschicht überdeckt. Das Lesen fühlt sich an wie eine lange Bahnfahrt

Fazit

Wir sind in nahezu allen Dimensionen enttäuscht von Daniela Arnolds ASCHENJUNGE – zumal die Grundidee eigentlich spannend erdacht ist, nur eben so nicht ausgeführt wird. Frustrierte, austauschbare Hauptakteure erlauben keine Identifikation, lassen nicht mitfiebern. Die Ermittlerin, die sehr früh misstrauisch wird, liefert keine Widerhaken, ist nicht nachvollziehbar – da s ist wirklich in den Kerndimensionen eines Thrillers schwach. Unsere Schulnote: Mangelhaft

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