Arne Dahl: Sieben minus eins – erste Schritte ohne Paul Hjelm

Volle 16 Jahre hat Arne Dahl mit seinen Helden verbracht – erst als A-Gruppe, dann später in ihren Rollen bei Europol – und wir haben jeden einzelnen Tag mit ihnen verbracht… Arne Dahl hat mit seinen Krimis rund um Paul Hjelm nicht nur einfach eine grß0ßartige Krimi-Serie geschaffen, die weit über die Grenzen des Genres hinaus gegangen ist – inhaltlich wie literarisch. Er hat auch gezeigt, wie weit man Figuren in einem Krimi tatsächlich entwickeln kann – und das braucht eben ein wenig Zeit, die er sich genommen hat.

Ein Meilenstein, zweifellos. Und nun versucht er es ohne Paul Hjelm und seine Mitstreiter mit dem “Erstling” SIEBEN MINUS EINS – funktioniert das ebenso gut?

Das Setting

Der Mann mit dem Plan - oder?

Der Mann mit dem Plan – oder?

Ohne hier zuviel zu verraten: Am Beginn der Handlung haben wir es mit Polizisten zu tun, die zum Ende der Story das Samenkorn von Arne Dahls neuer Serie pflanzen, die nicht mehr ganz so Polizei-nah sein dürfte. Seine Helden sind weit weniger als früher: 2 zentrale Figuren und ein paar Begleitfiguren.

Das Wort Begleitfiguren ist so despektierlich gemeint, wie es klingt: Tatsächlich hat Arne Dahl hier ein paar Stichwortgeber um seine beiden Protagonisten arrangiert, die man mit ein wenig Liebe noch als farblos bezeichnen kann, im Grunde sind sie Staffage, Dahl hat offensichtlich etwas Größeres vor.

SIEBEN MINUS EINS ist ganz offensichtlich nur der Weg dahin, eine Art Nullnummer, die die Bühne und das Setting prägt, jedoch an vielen anderen Stellen etwas zu fluffy bleibt, distanziert beinahe in vielerlei Hinsicht. Und ja: Es gibt eine Art Serienmörder – und es gibt einen starken Bezug der Handlung zur Vergangenheit. Diesen webt Dahl nicht einfach mal hier und da ein – er widmet der Vergangenheit ein etwas verstörendes Kapitel über schier endlose Seiten hinweg, in denen vieles wiederholt wird und das Buch nicht spannender zu machen vermag.

Im Gegenteil.

Sprache und Spannung

Dahl ist ein Profi, der versteht, eine Geschichte zu entwickeln – auch ohne Paul Hjelm an Bord, obwohl man sich den, Kerstin Holm oder Hultin manchmal wirklich wünscht – schon, weil sie wirklich eigene ungewöhnliche Gestalten mit viel Kante waren.

sieben-minus-eins

Ganz ehrlich: Der Klappentext ist fast frech

Die Figuren hier sind in vielerlei Hinscht klassisch im Ansatz und gewinnen erst mit der Zeit an Format, während speziell die männliche Hauptfigur zunächst fast klischeehaft wirken mag – aber eben nur fast, denn wir reden hier ja nach wie vor von Arne Dahl, der eben doch weiß, wie so etwas geht und ihm schließlich eine Frau zur Seite stellt, die so frei von Klischees ist, dass es schon eine Freude ist. Das ist nicht direkt Lisbeth Salander, aber schon mit Überraschungen und Wenduungen gesegnet.

Funktioniert das alles zusammen? Nein… noch nicht so recht. Die Geschichte selbst ist an vielen Stellen hektisch und verbissen erzählt – und das schwankt auch noch stark. Schwierig zudem: die beiden zentralen Wendungen, die die Figuren im Verlauf der Geschichte prägen, sind nicht nachvollziehbar. Da möchte man ein paar Seiten zurückblättern, weil man Momente lang glaubt, ein paar wichtige Seiten übersorungen zu haben. Das ist sehr befremdlich. Und wenn die Figuren an ihrem Wendepunkt stehen und du die Seiten davor noch einmal sehr genau gelesen hast, kannst Du ihr Handeln nicht nachempfinden und es macht im Sinne des Story auch leider einfach keinen Sinn, wie auch so viele andere Kleinigkeiten in SIEBEN MINUS EINS nicht ganz zu ende gedacht sind und dann eben auch nicht so recht überzeugen können, was wirklich sehr schade ist.

Am Ende spürt man, dass Dahl eigentlich lieber mit dem folgenden Buch angefangen hätte und das Erste der neuen Serie nur braucht, um das Setting zu platzieren und herzuleiten – einzig, dass wir die Herleitung nicht glauben….

Fazit

Ups…. das ist irgendwie schief gegangen. Der neue Dahl hat sich in seiner Fingerübung ein wenig verrannt – das haben wir wirklich schon mehr als besser gesehen. Vielleicht ist man da auch ein wenig ungerecht – denn natürlich sind die Erwartungen hier ja auch hoch. Aber dass Dahl an dem durch ihn selbst gesetzten Status gemessen wird, muss er sich wohl leider gefallen lassen – und da stehen SIEBEN MINUS EINS mit seinen schwachen Nebenfiguren, der hektisch erzählten Geschichte mit ein paar groben Löchern eben ein paar brillante Meisterwerke entgegen, die hier nur 44 Punkte rechtfertigen. Aber nichts desto trotz: Wir freuen uns auf den nächsten Dahl, der auf den beiden Figuren aufbaut, Und der Bauch sagt uns: der Mann weiß, wie das geht.



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.