Campbell Kirriemuir: Blutiger Ort – Komplexes schottisches Rätsel-Setup

Campbell KirriemuirBlutiger Ort. Liest man den Klappentext spürt man ein wenig Ian Rankin, Stuart Mac Bride und die versierteren Leser vielleicht sogar ein wenig William McIlvanney.

Campbell Kirriemuir tritt tatsächlich in große Fußstapfen schottischer Kriminalliteratur. Kann er sie auch ausfüllen?

Das Setting

DCI Bowie kehrt nach 3 unglücklichen Jahren in Barcelona in seine Heimat zurück – nach Edinburgh, Schottland. Schon in einem der ersten Sätze erfahren wir über den Protagonisten Bowie “Fragte man ihn, erklärte Adair Bowie stets, dass er in erster Linie Schotte sei, dann Europäer und erst dann Brite.”

Dass das erste Kapitel sich dann schon in der Überschrift “Born with a heart of Lothian” des Repertoires der schottischen Band Marillion bemüht, ist da nur folgerichtig.

Auch sonst fühlt sich hier vieles richtig an: Die Stadt ist in die Handlung ebenso selbstverständlich eingebaut, wie die sehr schlüssigen Hauptdarsteller, die allesamt weiblich sind. Ein reines F und eine weibliche Vorgesetzte, die früher zudem Adairs Mitarbeiterin war. Das liefert Raum für peinliche Zickenkriege und reichlich Klischees – erfrischenderweise nutzt der Autor kein einziges davon.

Die Handlung ist angenehm komplex und entfaltet sich stufenweise. Was wie ein sehr eindeutiger Mord erscheint, wächst, nimmt Formen an, lässt Menschen in den Fokus der Verdächtigen geraten und zeichnet insgesamt ein Bild, welches sich gegen Ende wie ein Spinnennetz durch die gesamte Region zieht.

Klar ist: Das Setup liefert Raum für mehr. Sichtbar werden hier Figuren mit Entwicklungspotential angelegt, dass Stoff für mehr bietet, ohne die Handlung aufzublähen.

Sprache und Spannung

Lakonisch manchmal, dann wieder sehr nahe an den handelnden Personen liefert “Blutiger Ort” die ganze Bandbreite. Der regionale Dialekt ist präsent, jedoch nicht übertrieben. Die Spannung baut sich hier in Wellen auf und hat einen ungewöhnlichen Ablauf. Etwa die Tatsache, dass ein Handlungsstrang ein sehr frühes Ende findet, mit dem man nicht rechnet, andere Dinge zunächst wie eine Belanglosigkeit erscheinen.

Das lässt die über 400 Seiten technisch im Flug vergehen.

Die Figuren dienen hier nicht nur als Stichwortgeber des Hauptdarsteller – im Gegenteil. Gerade die Ermittlerinnen sind hier sehr gleichberechtigt, führen ein eigenes Leben mit eigenen Problemen und sind dadurch in Summe sehr präsent.

Fazit

Mit 92 Punkten ein richtig guter Polizei-Roman ohne Allüren und mit dem Potential starker Serienfiguren.

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